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Blick auf die Anfänge der Telekommunikation

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Wer an Raisting südlich des Ammersees vorbeifährt, dem fallen unweigerlich eine ganze Reihe von großen Satellitenantennen auf. Um deren ursprüngliche Aufgaben kennen zu lernen und einen Blick hinter die Kulissen der Erdfunkstelle Raisting zu werfen, machten sich die Funkamateure des Ortsvereins Friedberg im DARC e.V. kürzlich auf den Weg. Sie nutzten damit eine der letzten Möglichkeiten, dieses eindrucksvolle Bauwerk dieses Jahr noch zu besichtigen.

 

Primär fällt die Antenne 1 der Erdfunkstelle Raisting ins Auge, da diese von einem sogenannten Radom (engl. radar dome, Radarkuppel), einer Tragluftkuppel,  geschützt wird. Darin befindet sich eine Satellitenempfangsantenne mit einem Durchmesser von 25 Metern, die bis 1985 dem interkontinentalen Funkverkehr (Telefon und Fernsehen) diente.

In einer eindrucksvollen Führung, wurde den Funkamateuren dieses „Wunderwerk der Technik“ vorgeführt. Das Radom Raisting ist die erste kommerziell betriebene Satelliten-Bodenstation Deutschlands. Der Bau wurde 1963/64 im Auftrag der Deutschen Bundespost errichtet. Heute befindet sich das Radom im Eigentum des Landkreises Weilheim-Schongau. Im Jahre 1999 wurde das Radom in die Denkmalliste aufgenommen und erhielt 2007 das Prädikat „mit herausragender nationaler Bedeutung“. Die Antenne ist funktionstüchtig und wird in wissenschaftlichen Projekten eingesetzt.

Nach den ersten Versuchssendungen ging das Radom 1965 in regulären Betrieb. Die erste reguläre Fernseh­übertragung fand anlässlich der Vereidigung des wiedergewählten US-Präsidenten Johnson statt. Damals waren die ersten, noch niedrig fliegen Satelliten nur für einige Minuten pro Tag für Über­tragungen zwischen den Kontinenten verfügbar. Nach dem Start des Satelliten "Early Bird", der rund um die Uhr zur Verfügung stand, begann dann auch der kommerzielle Fernsprechbetrieb zwischen Nord­amerika und Europa über die Erdfunkstelle Raisting. Im Vergleich zu früher, als es nur 17 Telefonleitungen von Deutschland nach USA gab, war dies ein gewaltiger Fortschritt.

In den folgenden Jahren des Betriebs wurden über das Radom unter Anderem die erste Mondlandung und die Olympischen Sommerspiele 1972 in München übertragen. Auch eine Leitung der als "Rotes Telefon" bekannten Verbindung zwischen den Regierungen im Kalten Krieg wurde über Raisting hergestellt.

In der Umgebung des Radoms baute die damalige Deutsche Bundespost in den Folgejahren noch weitere Antennen zur Satellitenkommunikation. Neben den Satelliten kamen auch Glasfaser-Unterseekabel auf. Im Jahre 1985 endete daher der reguläre Betrieb im Radom.

Engagierte Mitarbeiter der Erdfunkstelle erkannten die Bedeutung des heutigen Industriedenkmals und bewahrten die Anlage vor dem Abriss. Daraus ging später der Förderverein Industriedenkmal Radom Raisting e.V. hervor.

Im Jahre 1999 wurde das Radom Raisting in die Denkmalliste eingetragen und im Jahre 2007 wurde die landkreiseigene Radom Raisting GmbH Eigentümerin des Radoms. 2010 begann dann eine großangelegte Sanierung des Denkmals mit dem Austausch der marode gewordenen Radom-Traglufthülle. Diese abenteuerliche Aktion wird dem geneigten Besucher eindrucksvoll in Form eines Films gezeigt. Von offizieller Seite wurde zwischenzeitlich die Idee formuliert, das Radom als Weltkulturerbestätte der Unesco vorzuschlagen.

Insgesamt erlebten wir einen spannenden, informationsreichen Nachmittag, der uns zukünftig mit anderen Augen an diesem Industriedenkmal vorbeifahren lässt.

Als Quelle der obigen Informationen und wertvolle Fortsetzung des Artikels dienen die Internetseiten.
Jedem, der ebenfalls eine Führung in Raistung miterleben möchte, sei deren Lektüre empfohlen!

www.radom-raisting.de und www.radom-raisting-gmbh.de

 

 

   
© DARC OV Friedberg (T19)